Befund verstehen
Laborwerte richtig einordnen
Ein Laborbefund liefert messbare Ergebnisse zu der beauftragten Untersuchung. Wie diese Ergebnisse zu bewerten sind, hängt jedoch immer von der jeweiligen Fragestellung, der untersuchten Probe und dem Untersuchungsumfang ab.
Ein einzelner Laborwert beantwortet deshalb nicht automatisch jede medizinische oder persönliche Frage. Auf dieser Seite erklären wir die wichtigsten Grundlagen zur Einordnung unserer allergologischen und toxikologischen Befunde.
Ihr Befund kommt geschützt per E-Mail
Nach Abschluss der Laboruntersuchung erhalten Sie Ihren Befund als passwortgeschützte PDF-Datei per E-Mail.
Zum Öffnen benötigen Sie Ihren persönlichen Befundcode.
Wenn Sie ein Probenentnahme-Kit erhalten haben, finden Sie den Code auf dem persönlichen Anschreiben im Kit. Bei einer Probenabgabe oder Blutentnahme bei uns im Labor erhalten Sie den Befundcode als Ausdruck vor Ort.
Bitte bewahren Sie den Code bis zum Erhalt Ihres Befundes sicher auf und geben Sie ihn nicht an Dritte weiter.
Allergiediagnostik: Sensibilisierung ist nicht automatisch Allergie
Unsere allergologischen Untersuchungen bestimmen spezifische IgE-Antikörper gegen ausgewählte Allergene beziehungsweise Allergenkomponenten.
Wird spezifisches IgE gegen ein Allergen nachgewiesen, spricht dies zunächst für eine Sensibilisierung.
Eine Sensibilisierung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das betreffende Allergen auch tatsächlich Beschwerden verursacht. Für die Beurteilung einer klinisch relevanten Allergie müssen Laborbefund, Beschwerden, Exposition und Anamnese gemeinsam betrachtet werden.
Ein auffälliger Laborwert allein sollte deshalb beispielsweise nicht automatisch dazu führen, Lebensmittel dauerhaft zu meiden oder andere weitreichende Maßnahmen zu treffen.
Bei auffälligen Ergebnissen, anhaltenden Beschwerden oder unklaren Zusammenhängen empfehlen wir eine ärztliche beziehungsweise allergologische Einordnung.
Was bedeutet ein unauffälliger Allergiebefund?
Auch ein unauffälliger spezifischer IgE-Befund beantwortet nur die Fragestellung, die mit den tatsächlich untersuchten Allergenen abgedeckt wurde.
Wurde ein möglicher Auslöser nicht untersucht, lässt sich daraus keine Aussage über diesen Stoff ableiten.
Außerdem können Beschwerden andere Ursachen haben, die mit einer IgE-vermittelten Allergie nichts zu tun haben. Dazu gehören beispielsweise andere Formen von Unverträglichkeiten oder nicht allergische Reaktionen.
Toxikologie: Das Ergebnis hängt von der Probe ab
Bei toxikologischen Untersuchungen ist für die Interpretation besonders wichtig, welches Probenmaterial untersucht wurde.
Urin und Haare beantworten unterschiedliche Fragestellungen und bilden unterschiedliche Zeiträume beziehungsweise Expositionsmuster ab. Deshalb können Ergebnisse verschiedener Probenarten nicht ohne Weiteres miteinander gleichgesetzt werden.
Auch der Zeitpunkt der Probenentnahme, die untersuchte Substanz und der konkrete Untersuchungsumfang beeinflussen, welche Aussage ein Befund zulässt.
Was bedeutet „nachgewiesen“?
Wird eine untersuchte Substanz beziehungsweise ein entsprechender Marker nachgewiesen, bedeutet dies zunächst, dass dieser im untersuchten Material entsprechend der verwendeten Laboruntersuchung nachweisbar war.
Aus einem solchen Ergebnis lassen sich nicht automatisch weitere Aspekte ableiten.
Je nach Untersuchung erlaubt ein positiver Nachweis beispielsweise nicht ohne Weiteres eine Aussage darüber,
- wann genau eine Substanz aufgenommen wurde,
- wie hoch eine aufgenommene Dosis war,
- ob zum Zeitpunkt der Probenentnahme eine Wirkung oder Beeinträchtigung bestand,
- oder unter welchen Umständen die Aufnahme erfolgte.
Für die Interpretation ist deshalb immer entscheidend, welche Probe, welcher Parameter und welche Fragestellung vorliegen.
Was bedeutet „nicht nachgewiesen“?
Ein negatives beziehungsweise unauffälliges Ergebnis bedeutet, dass die untersuchte Substanz oder der betreffende Marker in der untersuchten Probe im Rahmen der jeweiligen Methode nicht nachgewiesen wurde.
Es bedeutet nicht automatisch, dass eine Substanz zu keinem früheren Zeitpunkt aufgenommen wurde.
Ob ein zurückliegender Konsum oder eine Exposition überhaupt noch erfasst werden kann, hängt unter anderem vom Probenmaterial, dem zeitlichen Abstand und der jeweiligen Untersuchung ab.
Urinbefund richtig einordnen
Urinanalysen eignen sich insbesondere für Fragestellungen, bei denen ein vergleichsweise zeitnaher Nachweis von Substanzen oder deren Stoffwechselprodukten relevant ist.
Die Nachweisbarkeit kann sich zwischen verschiedenen Substanzen deutlich unterscheiden und wird unter anderem durch den Zeitpunkt der Aufnahme und individuelle Faktoren beeinflusst.
Bei den Urinuntersuchungen ist außerdem die Kreatininbestimmung als Marker für eine potentielle Verdünnung des Urins Bestandteil der Analytik.
Haarbefund richtig einordnen
Haaranalysen können je nach Fragestellung Hinweise auf einen länger zurückliegenden Zeitraum geben.
Bei einer Gesamthaaranalyse wird der untersuchte Haarabschnitt auf der gesamten Haarlänge in einem Ansatz analysiert. Bei einer Segmentanalyse werden einzelne Abschnitte getrennt untersucht, wodurch eine zeitlich differenziertere Betrachtung möglich werden kann.
Die Aussagekraft hängt unter anderem von Haarlänge, Probenqualität, Untersuchungsparameter und Fragestellung ab.
Eine Haarlänge lässt sich dabei nicht schematisch und auf den Tag genau einem bestimmten Zeitraum zuordnen.
Wie genau lassen sich Haarbefunde zeitlich einordnen?
Für die zeitliche Interpretation von Kopfhaaranalysen wird üblicherweise eine mittlere Haarwachstumsrate von etwa 1 cm pro Monat angenommen.
Anhand der untersuchten Haarlänge und gegebenenfalls einer Unterteilung in einzelne Segmente lässt sich der betrachtete Zeitraum näherungsweise abschätzen.
Diese Einordnung unterliegt jedoch biologischen Schwankungen. Die individuelle Wachstumsgeschwindigkeit, die Entnahmestelle und weitere Einflussfaktoren können die zeitliche Zuordnung beeinflussen. Auch der Einbau untersuchter Substanzen in das Haar erfolgt nicht zwangsläufig zeitgleich mit einem bestimmten Konsum- oder Expositionsereignis.
Eine Haaranalyse ermöglicht daher keine taggenaue Rückrechnung auf einzelne Ereignisse. Die Ergebnisse müssen immer unter Berücksichtigung des untersuchten Parameters und der angewendeten Methode interpretiert werden.
EtG als Alkoholmarker
Ethylglucuronid – kurz EtG – ist ein direkter Alkoholmarker und kann sowohl im Urin als auch im Haar untersucht werden. Auch hier bestimmt die Wahl zwischen Urin und Haaren das Nachweisfenster und damit die Fragestellung. Ein EtG-Befund sollte daher immer im Zusammenhang mit der verwendeten Probe und dem jeweiligen Untersuchungszweck betrachtet werden.
EtG im Urin – Interpretation
Im Urin wird eine Probe ab einer Konzentration von 100ng/ml als positiv bewertet. Das dosisabhängige Nachweisfenster beträgt bis zu drei Tage.
EtG im Haar – Richtwerte und Interpretation
Ethylglucuronid (EtG) ist ein Abbauprodukt von Alkohol (Ethanol). Die Bestimmung von EtG im Haar ermöglicht eine rückblickende Einschätzung des Alkoholkonsums über einen längeren Zeitraum.
Für die Interpretation werden folgende international anerkannte Orientierungswerte verwendet:
| EtG-Konzentration | Einordnung |
|---|---|
| unter 5 pg/mg | Mit Alkoholabstinenz vereinbar. Ein gelegentlicher oder geringer Alkoholkonsum kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. |
| 5 bis unter 30 pg/mg | Hinweis auf wiederholten Alkoholkonsum. Ein chronisch übermäßiger Konsum kann nicht sicher ausgeschlossen werden. |
| ab 30 pg/mg | Starker Hinweis auf chronisch übermäßigen Alkoholkonsum. |
Wichtig zur Interpretation:
Die EtG-Konzentration erlaubt keine genaue Berechnung der konsumierten Alkoholmenge und keine zuverlässige Aussage über einzelne Trinkereignisse.
Auch die untersuchte Haarlänge, individuelle Unterschiede sowie kosmetische Behandlungen der Haare können die Aussagekraft beeinflussen. Die Ergebnisse müssen daher immer im Zusammenhang mit den Untersuchungsbedingungen bewertet werden.
Cortisol im Haar
Die Cortisol-Haaranalyse bestimmt Cortisol im untersuchten Haarabschnitt und liefert damit eine Aussage über ein möglicherweise vorliegendes erhöhtes Stresslevel über den untersuchten Zeitraum.
Ein einzelner Cortisolwert im Haar ist jedoch keine alleinige Diagnose für Stress, Burnout oder eine hormonelle Erkrankung. Bei gesundheitlichen Fragestellungen ist eine medizinische Einordnung erforderlich.
Vergleich mit früheren Befunden
Laborwerte lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn die Untersuchungen ausreichend vergleichbar sind.
Unterschiede bei Probe, Untersuchungsmethode, Labor, Panelzusammensetzung oder Messverfahren können die Ergebnisse beeinflussen.
Das ist besonders bei umfangreichen Allergietests wichtig: Ergebnisse verschiedener Testsysteme sollten nicht automatisch als vollständig identische Messungen betrachtet werden.
Ein Laborbefund ist kein automatischer Handlungsplan
Laborergebnisse können eine Fragestellung objektivieren und wichtige Hinweise liefern. Sie ersetzen jedoch nicht die medizinische Bewertung des Gesamtbildes.
Insbesondere bei Beschwerden, auffälligen allergologischen Ergebnissen, ungewöhnlichen toxikologischen Befunden oder Unsicherheiten über deren Bedeutung kann eine ärztliche Beratung sinnvoll sein.
Bei akuten gesundheitlichen Beschwerden, Vergiftungsverdacht, Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Notfallsymptomen ist eine unmittelbare medizinische Abklärung erforderlich.
Private toxikologische Befunde
Die toxikologischen Untersuchungen aus unserem Online-Shop dienen der privaten Information.
Ein Laborbefund aus einer solchen Untersuchung wird nicht allein dadurch zu einem behördlichen, gerichtsfesten, forensischen oder MPU-relevanten Nachweis. Für diese Zwecke gelten zusätzliche Anforderungen an Identitätsprüfung, Probenentnahme und Dokumentation.
Sie haben Fragen zu Ihrem Befund?
Wenn Sie eine Frage zum Untersuchungsumfang oder zur Darstellung Ihres Ergebnisses haben, können Sie sich an uns wenden.
Bitte beachten Sie, dass wir über eine allgemeine Kontaktanfrage keine Notfallversorgung anbieten. Bei medizinischen Beschwerden oder wenn aus einem Befund konkrete Behandlungsentscheidungen abgeleitet werden sollen, wenden Sie sich bitte an eine entsprechend qualifizierte Ärztin oder einen entsprechend qualifizierten Arzt.
Die gezeigten Labor- und Probenmotive sind KI-generierte Symbolabbildungen, keine Aufnahmen des ITMC-Labors.


